Kaum merklich, aber mit immenser Konsequenz hat sich in den vergangenen 30 Jahren ein fundamentaler demokratiegeschichtlicher Paradigmenwechsel vollzogen: der Übergang von der Bürgerrepublik zur Massendemokratie.

Dabei zeichnet es die Bürgerrepublik aus, dass in ihr stabile soziale Milieuzusammenhänge bestehen: das katholische, das protestantische, das pietistische, das bildungsbürgerliche, das proletarische, das alternative Milieu usw. Hinzu kommen landsmannschaftliche Zugehörigkeiten und einflussreiche gesellschaftliche Zusammenschlüsse wie Gewerkschaften oder Vertriebenenverbände. In einer derart gegliederten und strukturierten Gesellschaft versteht es sich von selbst, dass verschiedene Perspektiven legitim nebeneinander bestehen – und das Recht divergierender politischer Meinungen, im öffentlichen Raum zu erscheinen, von niemandem bestritten wird. Im Rückgriff auf lebensweltlich gesicherte Werte, Grundsätze und Interessen sind die Milieus der Bürgerrepublik zudem imstande, demagogischer Einflussnahme durch Presse oder Medien mit einer gewissen Resilienz und Eigensinnigkeit zu begegnen.  

Seit den 1990er Jahren indes sind die kirchlichen, gewerkschaftlichen und bildungsbürgerlichen Milieus in Deutschland sukzessive zerfallen. Übrig geblieben ist eine Gesellschaft von einzelnen, die nicht mehr in stabile kollektive Zusammenhänge eingebettet sind. In einer solchen Gesellschaft büßen die Menschen nicht nur ihre festen Grundsätze und Überzeugungen ein, die es ihnen ermöglichen, medialer Einflussnahme widerständig zu begegnen. Sie verlieren überdies den common sense, den Realitätssinn, der sich nur im Austausch mit anderen realisieren kann, mit denen man sich durch gemeinschaftlich erfahrene Lebenswelten verbunden weiß. 

Erst jetzt, in der Massendemokratie, werden die einzelnen zu Objekten einer umfassenden medialen Lenkung. Erst jetzt sehen die Medien keine Notwendigkeit mehr, rational und schlüssig zu argumentieren – wissend, dass die vereinzelten, aus Bürgern zur Masse herabgesunkenen Individuen ihr blind und unkritisch folgen werden, da sie ihres realitätsverbürgenden Gemeinsinns verlustig gegangen sind. Erst jetzt, in einer nicht mehr strukturierten und gegliederten Gesellschaft, gibt es nur noch eine legitime Meinung. Erst jetzt gewinnt dasjenige seine volle Gültigkeit, was Oswald Spengler schon vor 100 Jahren über das finale Stadium der Demokratie notierte: „Die Wahrheit des Augenblicks ist ein Produkt der Presse. Was sie will, ist wahr. Ihre Befehlshaber erzeugen, verwandeln, vertauschen Wahrheiten. Drei Wochen Pressearbeit, und alle Welt hat die Wahrheit erkannt … Kein Tierbändiger hat seine Meute besser im Griff. Man lässt das Volk als Lesermasse los, und es stürmt durch die Straßen, wirft sich auf das bezeichnete Ziel, droht und schlägt Fenster ein. Ein Wink an den Pressestab, und es wird still und geht nach Hause.“  

Wer heute glaubt, die rein zahlenmäßige Überlegenheit der Bio-Deutschen werde die „Almans“ und „Kartoffeln“ auf absehbare Zeit noch vor dem Schlimmsten schützen, der irrt. Denn wenn es hart auf hart kommt, sind nicht Zahlenverhältnisse ausschlaggebend, sondern Schlagkraft, Kampfbereitschaft und organisatorisches Potenzial. Nicht von ungefähr vermochte einst Cortes, das riesige Reich der Azteken mit gerade einmal 300 spanischen cabelleros, hidalgos y hombres de bien zu erobern. Und auch das von Millionen Menschen bevölkerte römische Reich fiel am Ende kleinen germanischen Kriegerschwärmen nahezu kampflos und wie eine reife Frucht in die Hände. 

Wer heute durch die Straßen deutscher Großstädte läuft, sieht auf der einen Seite die natürliche, kraftstrotzende Männlichkeit der „Refugees“ – und daneben die jungen deutschen Männer mit weichen Gesichtszügen, spärlichem Bartwuchs und einer oftmals unterwürfigen, unmännlich-effeminierten Haltung. Und dies vor dem Hintergrund einer täglich wachsenden, von linker politischer Seite angestachelten Wut der People of Colour auf die vermeintlich privilegierten und rassistischen Weißen. Damit hat sich über den einheimischen Deutschen der nächsten beiden Generationen ein großer, dunkler, Unheil verheißender Sturm zusammengebraut. 

Bleibt das liberal-demokratische System bestehen und die linke Hegemonie über den metapolitischen Raum intakt, dann stehen sich eine junge, entschlossene, von Ressentiment und Wut erfüllte Zuwanderer-Generation und eine atomisierte, alternde, postheroische biodeutsche Restbevölkerung gegenüber, die ihre kollektive Handlungs- und Verteidigungsfähigkeit längst verloren hat. Eingebettet in ein politisches System, das offen gegen die einheimischen Deutschen agiert und eilfertig Gesetze verabschiedet, die Migranten rechtliche Privilegien und tendenzielle Straffreiheit auch im Falle schwerster Übergriffe auf Angehörige des „Tätervolkes“ garantieren. 

Das Beste, was den einheimischen Deutschen daher passieren könnte, wäre ein autoritärer, machtgestützter, ideologieferner Ordnungsstaat, der seine Aufgabe darin sieht, als neutraler Friedenswahrer den latent vorhandenen, stetig drohenden und täglich abzuwendenden Bürgerkrieg zu verhindern. Die politisch, ethnisch und sozial fragmentierte Gesellschaft, die ihre inhärente, friedensstiftende Substanz verloren hat, braucht den starken, übermächtigen Staat, der kraft seiner Machtmittel das instabil gewordene soziale Gefüge erhält und die rivalisierenden Einzelgruppen mit notfalls eisernem Griff diszipliniert. Ein solcher autoritärer Ordnungs-, Zwangs- und Maßnahmenstaat könnte schon bald die letzte Instanz werden, die die physische Existenz der einheimischen, deutschen Bevölkerung noch garantiert. Und sie vor Mord, Totschlag, Enteignung und völliger Entrechtung schützt.

Indem sie sich antifaschistisch und antirassistisch gebärden und in die Hassgesänge gegen die weiße Rasse lautstark einstimmen, glauben viele Linke, Seite an Seite mit den People of Colour marschieren und sich auf die richtige Seite der Geschichte schlagen zu können. Wenn es dereinst hart auf hart kommt, wird ihnen indes auch die politisch korrekteste politische Positionierung nichts mehr nützen. Denn für die neue, vom Ressentiment getriebene Revolution der People of Colour fallen die Ansichten und Meinungen eines Weißen gegenüber dem bloßen Faktum des Weißseins gar nichts ins Gewicht. Der Weiße wird zu einem, wie es weiland bei Hitler und Stalin hieß, „objektiven Gegner“, der durch bestimmte angeborene und unentrinnbare Eigenschaften gekennzeichnet ist.

Dieser "objektive Gegner" ist im Zweifelsfall nicht wegen seiner Handlungen und Meinungen zu liquidieren, sondern allein aufgrund der objektiven Tatsache, dass er einer bestimmten, sozial oder ethnisch bestimmten Gruppe zugehört. Bei den Nazis und ihren Vorläuferbewegungen hieß es einst: „Was der Jude denkt, ist einerlei. In der Rasse liegt die Schweinerei.“ So könnte es in nicht allzu ferner Zukunft auch über uns, zur großen Überraschung der linken Ideologen, heißen: "Was der Alman und die Kartoffel denken, ist einerlei. Als Nazis von Geburt und Rassisten von Natur haben sie das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit verwirkt." Wenn es stimmt, dass die einheimischen Deutschen immer und grundsätzlich Rassisten sind, selbst wenn sie das weit von sich weisen oder sich dessen gar nicht bewusst sind – dann ist der Logik nach der Rassismus erst dann besiegt, wenn kein Deutscher, kein Weißer mehr am Leben ist.  

Der Antifaschismus war einst das zentrale Element des nationalen Selbstverständnisses und der politischen Selbstlegitimation der DDR. Dabei war der antifaschistische Schutzwall nicht gegen Hitler, Franco oder Mussolini gerichtet, sondern gegen die alte Bundesrepublik, sprich den freiheitlichen, demokratisch verfassten westdeutschen Staat. Die Faschisten, vor denen der SED-Staat sich und seine Bürger vorgeblich schützte, waren Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Helmut Schmidt, Willy Brandt und Helmut Kohl. Was durchaus eine gewisse Konsequenz besitzt: denn wer heute Ansichten verträte wie einst Adenauer, Erhard oder Schmidt, sähe sich in der neuen, linksgewendeten BRD nicht nur mit Faschismus- und Nazivorwürfen konfrontiert, sondern hätte mit ziemlicher Sicherheit ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung am Hals und stünde mit mehr als bloß einem Bein im Gefängnis. 

Was wir aus der DDR und ihrer Geschichte lernen können, ist also Folgendes: Antifaschismus richtet sich damals wie heute nicht gegen wirkliche Rechtsextremisten, Nazis oder Faschisten, sondern immer gegen eine pluralistische, freiheitliche Gesellschaft, die mehr als nur eine Meinung toleriert und in der diejenigen, die anders denken, nicht als Menschenfeinde gebrandmarkt werden. Damals zu DDR-Zeiten diente der Antifaschismus der Rechtfertigung und Erhaltung einer Diktatur. Heute bereitet er, vor unser aller Augen, der Errichtung einer neuen Diktatur den Weg. Diese kommende Diktatur wird keine kommode, spießig-kleinbürgerliche Angelegenheit sein wie einst die DDR. Die kommende Diktatur macht Ernst. Die große Mehrzahl der Menschen in Deutschland hat noch keine leise Ahnung, was auf sie zukommt.

„We love Volkstod“ oder „Deutschland verrecke“ sind nicht mehr nur bevorzugte, auf Demonstrationen herausgeschriene und im öffentlichen Raum verbreitete Parolen der ANTIFA und der antideutschen Szene. Es sind die handlungsleitenden Antriebe einer politischen Linken geworden, für die es ein deutsches Volk nicht mehr geben soll und die lauthals alles bejubelt, was dem eigenen Land auf die größtmöglich denkbare Weise schadet. Hinter dieser Kollektivneurose steht derselbe Geist der Unbedingtheit, den wir aus der deutschen Geschichte zur Genüge kennen. 

Einst richtete sich der Impuls der Vernichtung gegen andere, vermeintlich minderwertige Völker, zu deren Ausmerzung man sich, in ideologischen Wahnwelten gefangen, berufen glaubte. Heute macht man mit derselben Unbedingtheit und derselben maßlosen Wut gegen das eigene Volk und den eigenen Staat mobil, deren Austilgung man ersehnt und deren Auslöschung man bewusst und vorsätzlich herbeiführt. Das Stimulans dahinter bleibt dasselbe: es ist ein Geist der Vernichtung, ein eliminatorischer Geist, der furchtbare Folgen haben wird, wenn er sich ungestört entfalten kann und niemand den Mut findet, sich ihm entschlossen in den Weg zu stellen. 

In der Tat ist der Nationalsozialismus nicht nur das Lebenselixier einer Linken geworden, die tagtäglich den „Faschismus“ beschwören muss und auf eine tief neurotische, libidinöse Weise an den Nazismus gebunden ist. Vielmehr stellt sich die deutsche Linke offen in die Traditionslinien des Nationalsozialismus, der, wie einst Hannah Arendt schrieb, „für das deutsche Volk immer nur Verachtung übrig hatte“ – ging es ihm doch um die Züchtung einer neuen, arischen, weltbeherrschenden Herrenrasse, für die ein blonder polnischer oder ukrainischer Junge ungleich wertvoller war als der aus Nazi-Sicht rassisch vermischte und ergo degenerierte Durchschnittsdeutsche. Hitlers furchtbarer Spruch aus dem letzten Jahr des Krieges („Ich werde dem deutschen Volk keine Träne nachweinen“) ist 75 Jahre später zur Bekenntnisformel einer links-eliminatorisch gewendeten, bundesrepublikanischen Anti-Elite geworden.  

In den vergangenen 30 Jahren ist es einer kleinen, kulturrevolutionären Pseudoelite nach und nach gelungen, unser Leben mit Verboten, Vorschriften und Bekenntniszwängen zu umstellen. Toxische Wörter dürfen nicht mehr verwendet werden, vom Zigeunerschnitzel bis zum Eskimo. Wer sein Kind als Indianer verkleidet Fasching oder Karneval feiern lässt, ist Rassist. Wer als Mann in einem öffentlichen Verkehrsmittel breitbeinig dasitzt oder sich erdreistet, einer Frau ein Kompliment zu machen, ist Sexist. Wer eine Familie gründen will, muss sich einen Brüter nennen lassen, einen öden Spießer, dem der überlegene Mut der Homosexuellen und die höhere Menschlichkeit der Transgender fehlen. Wer das Unglück hat, als Weißer oder gar Deutscher geboren zu sein, ist aufgefordert, ein Leben lang gebückt zu gehen und sich allzeit unter der Last einer ewigen, unauslöschlichen Schuld zu beugen.

Wie lange die linke Allmacht in diesem Lande noch währen wird, und wie arg sie es künftig noch treiben werden, weiß keiner. Eines aber ist gewiss: wie alle auf Knechtschaft, Zwang und Unterjochung gebauten Systeme wird auch das neu-linke Regime der Unterdrückung eines Tages zusammenbrechen und in Schimpf und Schande zerfallen. Dann werden die Menschen die Fenster aufreißen, und ein frischer Wind wird in die Häuser strömen. Ein Seufzer der Erleichterung und ein Schrei der Euphorie werden dann durch das Land gehen, und die Menschen werden – wie 1989 – naiv und unbedarfter Weise glauben, nun habe die Freiheit ein für alle Mal gesiegt. 

Bald darauf allerdings werden sich wieder die alten Fragen stellen, die immer gestellt worden sind, wenn ein auf ideologischem Wahnsinn und geistiger Versklavung beruhendes Zwangssystem kollabiert: Wie konnten wir uns all das nur so lange gefallen lassen? Warum sind wir einem System des Irrsinns und der Knechtschaft so hündisch und kriecherisch gefolgt? Wie konnten wir so unterwürfig sein und uns selbst moralisch so erniedrigen? Warum haben wir unseren Verstand so beleidigen, unsere Selbstachtung so mit Füßen treten lassen? Wie konnten wir so lange vergessen, dass der Mensch ein vernunftbegabtes, zur Freiheit geborenes Wesen ist?

Die deutsche Linke hat ein neues Betätigungsfeld erschlossen, um ihren unermüdlichen Kampf gegen deutsche Kultur, Identität und Geschichte weiter zu befeuern: die Umbenennung von Straßen, Schulen, Universitäten und Kasernen. Von München über Tübingen bis Düsseldorf sind Historikerkommissionen und Studierendenräte zugange, um Schliemann und Schopenhauer, Bismarck und Luther als Sexisten und Rassisten zu verdammen und ihre Namen aus dem öffentlichen Raum zu entfernen. Auch die Männer des 20. Juli 1944 wie Höppner und Stauffenberg, die ihr Leben im Widerstand gelassen haben, sollen der damnatio memoriae verfallen. Selbst Erich Kästner, dessen Werke die Nazis öffentlich verbrannten, findet vor der neuen Jakobinern keine Gnade, da er sich nicht dazu durchringen konnte, zu emigrieren oder mindestens Selbstmorde zu gehen.

Nun kann man mit großer Sicherheit davon ausgehen, dass die hier am Werke befindlichen Historiker*innen und Studierenden im realen Dritten Reich unter keinen Umständen Widerstand geleistet hätten. Wer die Säuberungsappelle und Proskriptionslisten dieser Leute studiert, kann den Geist des Mitläufertums regelrecht riechen. Ihre Groß- und Urgroßeltern jedenfalls haben offenkundig nicht an Emigration oder gar Suizid gedacht, sondern aller Wahrscheinlichkeit nach ihrem geliebten Führer bis zum Ende aller Tage zugejubelt.

Heute lassen ihre Enkel und Urenkel nichts unversucht, um den Deutschen ihre Geschichte, Kultur und Identität zu nehmen. Aus Bürgern eines Staates sollen abstrakte, bestimmungslose Individuen werden, die nirgends verwurzelt sind und dereinst das Wachs in den Händen einer weltweit expandierten, universal konzentrierten Macht werden sollen.

Die linken Eiferer und Bilderstürmer sind zugleich die Figuren, vor denen die großen Kritiker und Skeptiker der Demokratie seit jeher gewarnt haben: von der Idee der Gleichheit besessen, können sie Genialität und Größe auf den Tod nicht mehr ertragen; vom Geist des Ressentiment getrieben, sehen sie sich instinktiv veranlasst, alles auszuradieren, was auf irgendeine Weise besonders ist und sich über das eingeebnete Minimalniveau erhebt, das sie selbst repräsentieren.

Man möge sich nicht täuschen: die deutschen Linken werden sich am Ende auch mit einer Orgie der Umbenennungen nicht zufriedengeben. Sie werden die Bücher der großen Philosophen aus den Regalen der Bibliotheken reißen, weil sie von einem vermeintlichen Geist des Rassismus und der White Supremacy durchzogen sind. Und sie werden die großen Werke der europäischen Kunst aus den Museen entfernen und entsorgen, weil sie die Frau auf eine vermeintlich sexistische Weise darstellen.

Diese Linke wird nicht ruhen, bis es ihr gelungen ist, den Bestand der westlichen Kultur zu tilgen. In der Auseinandersetzung mit ihr geht es nicht um Wählerstimmen, Abgeordnetenmandate und andere politische Opportunitäten. Die Auseinandersetzung mit dieser Linken ist eine spirituelle Auseinandersetzung um die Existenz oder Nichtexistenz der westlichen Zivilisation.      

Täglich kann ich es auf Twitter, Youtube und bisweilen auch in den Kommentarspalten einer Mainstream-Zeitung lesen: wie viele bürgerlich, konservativ oder traditionalistisch gesinnte Menschen in Deutschland dieser Tage verzagen oder verzweifeln, weil sie sich ein Ende der linksideologischen Maximalpolitik und eine Rückkehr zu Maß und Mitte nicht mehr vorstellen können. Grund zur Hoffnung besteht gleichwohl – wenngleich die Schimmer der Hoffnung vorerst nur aus Übersee, genauer: aus der angelsächsischen Welt zu uns herüberscheinen.

Dazu müssen wir uns Folgendes vor Augen halten: der politische Takt des Westens wird spätestens seit 1945 durchweg in den USA und Großbritannien vorgegeben. Deutschland und die anderen europäischen Länder benötigen in der Regel ca. 10 Jahre, bis die in Angloamerika gesetzten Trends auch zu uns herüberschwappen und man sich hierzulande dazu durchringt, den dort gesetzten Wegmarken zu folgen. So verhielt es sich mit dem Neoliberalismus, der 1979 mit Thatchers Wahl zur Premierministerin und 1980 mit Reagans Kür zum US-Präsidenten seinen Siegeszug in der angelsächsischen Welt begann. In Deutschland setzte sich der Neoliberalismus erst Anfang der 1990er Jahre als das hegemoniale Wirtschafts- und Gesellschaftskonzept durch. Auch die Bekehrung der politischen Linken zum neoliberalen Wirtschafts-, Staats- und Politikverständnis vollzog sich zunächst mit Clinton in Amerika und Blair in Großbritannien. In Deutschland dauerte es bis 2003/05, ehe Rot-Grün sich entschloss, mit der Agenda 2010 und der Abwicklung der Deutschland-AG einen finanzmarktgetriebenen Kapitalismus in Gang zu setzen.

Nun haben mit Donald Trump und Boris Johnson unkonventionelle Persönlichkeiten, Populisten und Außenseiter-Typen das politische Ruder in den USA und Großbritannien übernommen, die im offenen Kampf gegen die linke, universalistische Medien- und Kulturelite stehen. Diese Volkstribunen stellen nicht nur nationale Interessen in den Mittelpunkt, sondern wenden sich auch explizit gegen die bleierne Logik der linken Political Correctness und deren Sprachrohre von CNN bis BBC.

Mit der üblichen Verspätung dürften sich entsprechende Entwicklungen in einigen Jahren auch in Deutschland zeigen und vollziehen. Vieles spricht dafür, dass es dann nicht die AfD sein wird, von der die Große Wende ausgeht. Stattdessen könnte es ein erfolgreicher Wirtschaftsführer, ein Medienmogul oder eine aus Radio, Funk und TV bekannte Celebrity sein, die den Sturm der Veränderung lostreten. Wenn eine solche Figur die politische Bühne betritt und den riesigen, aufgestauten, bewusst oder unbewusst vorhandenen Unmut mobilisiert, wird sich die ganze Schwäche des etablierten Parteienstaates offenbaren. Wenn der große Charismatiker hervortritt und wie aus dem Nichts eine politische Bewegung aus dem Boden stampft – dann wird es für das alte, parteipolitische Establishment sein, als wehe ein Herbststurm durch das Land, und unzählige Blätter, die nur noch lose und in dünnen Fäden an den Ästen und Zweigen der Bäume hingen, lösen sich und fallen herunter.  

Auf dem Blog der ehemaligen DDR-Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld ist dieser Tage Folgendes zu lesen:

„Während im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern eine ehemalige DDR-Juristin zur Verfassungsrichterin gekürt wurde, spielten sich am Samstag auf dem Alexanderplatz Szenen ab, wie wir sie aus DDR-Tagen kennen und nie wieder erleben zu müssen glaubten. Die Polizei nahm meine alte Freundin Angelika Barbe, Mitstreiterin seit den Tagen des Pankower Friedenskreises, Mitbegründerin der SDP, später SPD der DDR, Kollegin im ersten gemeinsamen Bundestag nach der Vereinigung, Mitbegründern des Bürgerbüros für die Opfer der SED-Gewaltherrschaft fest. Dabei ging sie mit brutaler Gewalt gegen die frisch am Knie operierte Dame vor, die nicht so schnell laufen konnte, wie die Polizisten sie wegzerrten.“

Dazu fällt mir ein:

Wie es aussieht, rächen sich nun die verhängnisvollen, von übermäßiger Naivität und Nachsicht zeugenden Fehler der Friedlichen Revolutionäre von 1989/90. Statt wie in Ungarn oder Polen die Ideologie des Kommunismus auf alle Zeit zu ächten, hat man es den einstigen Vertretern der Gewaltherrschaft ermöglicht, den demokratischen Staat zu infiltrieren und die freiheitliche Ordnung von innen heraus zu zerstören. Um fair zu bleiben: wer konnte sich 1989/90 auch nur vorstellen, dass dreißig Jahre später waschechte Kommunisten nicht nur Landesregierungen, sondern auch Inlandsgeheimdienste und Verfassungsgerichte führen oder dominieren würden? Wer konnte damals ahnen, dass der Sozialismus dereinst wieder zu Kräften kommen und sich zu einer politisch bestimmenden Macht in Deutschland entwickeln würde? Stand seine Hinterlassenschaft doch vor aller Augen: das Blut der Toten an der Mauer, das Elend der Staatsgefängnisse in Bautzen und anderswo, eine gigantische Reservearmee aus Spitzeln und Spionen, eine bankrotte und marode Wirtschaft, zerfallende Städte und einstürzende Häuser. Der Sozialismus? Eine verbrecherische, von der Geschichte final wiederlegte Idee! Die PDS? Eine hoffnungslos überalterte Partei der Unverbesserlichen und Ewig-Gestrigen, die sich schon aus Altersgründen bald von selbst erledigen würde!

So ließ man die alten Unterdrücker großmütig weiterleben, sich wiegend in der falschen Sicherheit, dass von ihnen keine Gefahr mehr drohe. Heute erkennen wir, wie leicht sich die Friedlichen Revolutionäre im Hochgefühl des Sieges und im Rausch der Freiheit täuschen ließen! Dazu fällt mir die alte, auf den preußisch-jüdischen Demokraten Johann Jacoby zurückgehende Erkenntnis ein, dass „jede Revolution verloren ist, welche die alten, wohl organisierten Gewalten neben sich fortbestehen lässt.“ Eine Erkenntnis, die nicht nur auf 1848 und 1918 zutrifft, sondern – wie zu befürchten steht – auch auf 1989/90.

Täglich kann man es in den sozialen Medien hören und lesen, bisweilen auch (noch) in der Mainstream-Presse: die Partei DIE LINKE ist die Nachfolgeorganisation der SED, der Staatspartei der DDR. Die ganze Tragweite dessen, was aus dieser Tatsache folgt, wird allerdings kaum je thematisiert:

Für die überzeugten Sozialisten und Kommunisten in der SED, die nach der Wende erst die SED/PDS und dann die PDS gründeten, stellte vor allem das Jahr 1990 eine traumatische Erfahrung dar: macht- und tatenlos mussten sie zusehen, wie der siegreich triumphierende Westen ihren sozialistischen Staat und seine Einrichtungen abwickelte, ihre Biographien (Lebensleistungen) entwertete und ihre Ideale und Theorien auf den Müllhaufen der Geschichte warf. In jenen Tagen schworen sich diese Leute, die furchtbare Demütigung nicht auf sich sitzen zu lassen. Statt aufzugeben und die SED einfach aufzulösen, entschied man sich, in den westdeutschen Staat hineinzugehen und ihn zu infiltrieren: mit dem Ziel, von nun an der verhassten „BRD“ zu schaden, so sehr und wo immer es nur ging.

Nun gibt es auch in vielen anderen europäischen Ländern linksradikale Parteien wie etwa SYRIZA in Griechenland, PODEMOS in Spanien oder LA FRANCE INSOUMISE in Frankreich. Mit diesen Formationen aber lässt sich die hiesige LINKE in keiner Weise vergleichen. Denn die genannten Parteien verstehen sich, trotz ihrer oft abwegigen politischen Vorstellungen, prinzipiell doch als ein Teil des Volkes und bringen der eigenen Nation, dem eigenen Staat ein gewisses Maß an Loyalität entgegen. Für DIE LINKE dagegen ist der Staat, in dem sie agiert, bis heute der Feindstaat geblieben, den es maximal zu schwächen und zu schädigen gilt. Diese Partei handelt im „westdeutschen“ Staat seit 1990 de facto wie eine Untergrundarmee, die sich vorgenommen hat, den von ihr unterwanderten Staat zu Fall zu bringen und von innen heraus zu zerstören.  

Wenn DIE LINKE ihre aberwitzigen Forderungen stellt (wie etwa alle Afrikaner nach Deutschland zu holen, um hier eine große Party zu feiern, oder die deutsche Industrie zu ruinieren und den nationalen Wohlstand für eine maßlose Sozialpolitik zu verkonsumieren), geht es nie um Moral, soziale Gerechtigkeit oder überschießenden Idealismus. Vielmehr speisen sich alle diese Forderungen aus dem Ressentiment: man will den „westdeutschen Staat“ erschüttern und dekonstruieren, der für dieses Milieu noch immer das "revanchistische" und "postfaschistische" Bonner Gebilde ist. DIE LINKE, die von ihrer Grundstruktur, ihrer DNA her wie eine staatsfeindliche, ausländische Agentenorganisation agiert, wird sich nicht zufriedengeben, bevor es ihr gelungen ist, die Bundesrepublik Deutschland wirtschaftlich, politisch und sozial und kulturell zugrunde zu richten.   

Martin Sellner, Vordenker und Sprecher der Identitären Bewegung in Österreich (IBÖ), ist nicht nur ein selten mutiger Mensch und kluger, philosophisch gebildeter Kopf. Er ist überdies auch eine Person, die von den staatlichen Autoritäten seines Landes mit einer wohl beispiellosen Repression überzogen wird, die von Kontokündigungen und Social-Media-Ächtungen über Reiseverbote bis hin zu Beschlagnahmungen und Hausdurchsuchungen reicht. Jemanden zu kritisieren, der von den herrschenden Machtapparaten derartig unter Druck gesetzt wird, gehört sich streng genommen nicht. Wobei ich Sellner hier nicht kritisieren möchte, weil er zu radikal argumentiert oder nicht hinreichend politisch korrekt denkt, sondern eher, weil er sich in eine politisch-intellektuelle Sackgasse manövriert hat oder, anders ausgedrückt: weil er sich in einem Zustand der Nichtanerkennung elementarer geschichtlicher Realitäten befindet.

Denn Sellner glaubt tatsächlich an die Möglichkeit, die multikulturelle Fragmentierung der Bevölkerungen in Westeuropa wieder rückgängig zu machen und durch eine umfassende Politikl der "Remigration" eine relative ethnische Homogenität wiederherzustellen. Allen Ernstes schlug er neulich vor, die durch Corona nutzlos am Boden stehenden Flugzeuge dafür einzusetzen, tausende oder zehntausende Migranten und Asylbewerber in ihre Heimatländer zurück zu transferieren.

Der Glaube aber, eine weltgeschichtliche Entwicklung wie die Masseneinwanderung nach Westeuropa und den Übergang zu multiethnisch-multikulturellen Gesellschaften „rückabwickeln“ zu können, ist bei Lichte besehen eine große Illusion. Historisch betrachtet lässt sich die allmähliche Transformierung ethnisch homogener Völker in ethnisch inhomogene, fragmentierte Bevölkerungen in allen großen, reif gewordenen Zivilisationen beobachten. So folgte in Griechenland auf das klassische Zeitalter der Athener und Spartaner die hellenistische Ära der Megastädte wie Alexandria, in denen ein buntes Völkergemisch aus aller Herren Länder arbeitete, wimmelte und lebte. Auch in Rom haben wir es lange Zeit hindurch mit einem ethnisch geschlossenen Substrat aus Bauern, Handwerkern, Rittern und Patriziern zu tun; schon um die Zeitenwende aber machen fremdstämmige Arbeitskräfte, Sklaven und Migranten aus Dalmatien, Illyrien, Thrakien, Syrien, Griechenland, Ägypten, Germanien, Gallien, Numidien oder Äthiopien rund die Hälfte der stadtrömischen Bevölkerung aus, und die Weltstadt wird zu einem gigantischen Schmelztiegel für Menschen aus allen Teilen der von Rom unterworfenen Welt.

Im Grunde gilt so für Sellner Ähnliches wie für Markus Krall, der unbeirrt die bürgerliche Revolution propagiert, obwohl das bürgerliche Zeitalter nur noch eine vergangene, vom Gang der Geschichte seit langem überwundene Entwicklungsstufe darstellt und wir längst in das Zeitalter einer massendemokratischen Versorgungsgesellschaft eingetreten sind. Wie Krall der Nostalgie des Bürgertums verfällt, will Sellner ethnische Homogenitäten wiederherstellen, über die der Zyklus der Geschichte längst hinweggegangen ist und die, was insbesondere Westeuropa betrifft, niemals wiederkehren werden.

Wer wie Krall oder Sellner in das Rad der Geschichte eingreifen will, kann nur damit arbeiten, was die Zeit real bereithält. Er muss sich auf den Boden der gesellschaftlichen Wirklichkeiten stellen, erkennen, was möglich ist, welche Potenziale existieren und wohin der Strom der Zeiten fließt. Was Not tut, ist nicht dem Vergangenen nachzutrauern und eine frühere, bürgerliche oder ethnische homogene Herrlichkeit restaurieren zu wollen, sondern die notwendigen, von der Geschichte und der Zeit gestellten Aufgaben in Angriff zu nehmen. Für all jene, die sich als konservativ, rechts oder traditionalistisch verstehen, stellt sich damit die Frage: wollen sie politische Randfiguren bleiben, die den Siegeszug der multikulturellen Gesellschaften in Europa effektvoll klagend, aber macht- und einflusslos über sich ergehen lassen? Oder wollen sie ein politisch relevanter Faktor sein, der versucht, die multiethnischen Sozialkollektive aktiv zu gestalten, zu steuern, zu regulieren und idealerweise in eine neue, konservativ-revolutionäre Ordnung zu überführen? Wer das unwiderruflich Vergangene (verloren Gegangene) loslässt und sich auf den Boden der geschichtlichen Realitäten stellt, dem bieten sich auch heute Chancen, aus dem alten, auf Albrecht Erich Günther zurückgehenden Motto zu schöpfen: „Konservativ sein bedeutet nicht ein Hängen an dem, was gestern war, sondern ein Leben aus dem, was immer gilt.“

Die linken Stadtplaner und Wohnungspolitiker werden sich langfristig nicht damit begnügen, unsere Landschaften und Städte mit uniformer baulicher Hässlichkeit und kastenförmigem architektonischem Reduktionismus zuzustellen. Sie werden eines Tages auch die alte historische Bausubstanz angreifen, die Deutschland nach dem 2. Weltkrieg noch geblieben ist.

Dabei werden sie in etwa wie folgt argumentieren: waren es nicht gewissenlose Kirchenfürsten und Kapitalisten, die diese Bauten errichten ließen, während nebenan die Menschen Hungers starben? Haben sie das Geld, mit dem die Kathedralen und Bürgerhäuser finanziert worden sind, nicht zuvor den eigenen Leibeigenen, Proletariern und kolonisierten Völkern des Südens abgepresst? Sind die Dome und Kirchen nicht auf den Leichen und Knochen der Erniedrigten und Beleidigten gebaut? Sind sie nicht steingewordene Symbole einer White Supremacy, deren bauliche Wucht und Gewalt die People of Colour verstummen lässt, einschüchtert und verstört? Handelt es sich nicht um Herrschaftsarchitektur, deren bloße Existenz den weißen Machtanspruch perpetuiert und den zugewanderten Menschen das Gefühl vermittelt, klein, schwach, hilflos und fremd zu sein?    

So könnte dereinst der Tag kommen, an dem Linke und von ihnen aufgewiegelte Migranten sich in den deutschen Innenstädten versammeln, um die alten Bürgerhäuser niederzureißen, die alten Denkmäler zu schleifen und die alten Kathedralen zu zerstören. 

In mehreren europäischen Ländern kommt es dieser Tage zu Anschlägen auf die Mobilfunkinfrastruktur. Bei den Tätern soll es sich um Personen handeln, die den neuen Funkstandard 5G für die Corona-Pandemie verantwortlich machen oder mit dem Ausbruch des Virus jedenfalls in Verbindung bringen: getrieben von der Sorge, dass die engmaschige, wärmeintensive 5G-Strahlung das menschliche Immunsystem schwächt; und alarmiert durch die Tatsache, das die verheerendsten Ausbrüche von Corona anscheinend in 5G-Testgebieten wie der chinesischen Provinz Hubei oder der Region um Bergamo in Norditalien beobachtet worden sind. 

Wie sich all dies faktisch zuträgt, sei dahingestellt, zumal dem Verfasser dieser Zeilen jede diesbezügliche Expertise fehlt. Stattdessen will ich auf etwas anderes hinaus: denn was wir geradezu instinktiv spüren, ist die völlige Aussichtslosigkeit sämtlicher Versuche, 5G noch zu stoppen oder zu verhindern. Selbst wenn sich zweifelsfrei herausstellen sollte, dass der neue Mobilfunkstandard das Erbgut schädigt, die Tumorbildung erhöht oder die Widerstandskräfte gegen Krankheiten schwächt – an der Einführung von 5G würde sich nichts ändern. Längst hat die Technik ihr Eigenleben entwickelt, längst hat der Mensch die Verfügungsgewalt über sie verloren. Längst ist die Technik Schicksal und Verhängnis geworden, dem sich die Völker preisgegeben und ausgeliefert haben; längst kann die Eigendynamik der Technik auf den Menschen als Naturwesen keine Rücksicht mehr nehmen.

Dazu passt auch der tiefgründigste Gedanke, auf den Ernst Jünger in Interviews, vor allem aber in seinen Alterstagebüchern Siebzig Verweht immer wieder zu sprechen kommt. Für Jünger stehen wir am Beginn eines neuen erdgeschichtlichen Zeitalters, das er das Zeitalter der Titanen nennt. Vordergründig betrachtet ist es der Mensch, der sich der Technik bedient und durch ihren bedenkenlosen Einsatz nicht nur die Natur, sondern schließlich auch sich selbst zerstört. In Wahrheit aber ist es nach Jünger die Erde selbst, die sich in einem Gebärprozess befindet, sich gegen die Spezies Mensch empört und dahin drängt, in ein neues tellurisches Zeitalter einzutreten. Dabei bedient sie sich des Menschen, der, als ihr Agent, die kosmischen Strahlungen und Energien mobilisiert, mit denen das neue Erdzeitalter eingeleitet wird. In Wirklichkeit ist der Mensch durchaus nicht die souverän handelnde Potenz, die er zu sein glaubt. Statt die Fäden selbst in der Hand zu halten, ist er längst einer Schicksalhaftigkeit unterstellt. Er ist de facto nur ein in die Zwecke der Erde und des Kosmos eingespanntes Werkzeug, dem die Aufgabe beigemessen ist, die Kräfte und Energien zu entfesseln, die das neue Zeitalter der Titanen entbinden. Die ihm zugedachte Funktion besteht darin, jene technologischen Apparate zu konstruieren und jene kosmischen Strahlungen in Bewegung zu setzen, mit denen er sich schließlich selber aus dem Spiel nimmt und dafür sorgt, dass das alte Zeitalter des Menschen endet und das neue Zeitalter der Titanen beginnt.    

Ich frage mich: Sind die heutigen Architekten und Baumeister handwerklich nicht mehr imstande, ästhetisch anspruchsvoll zu bauen? Ist ihr Ideenreichtum versiegt? Haben sie es schlicht verlernt, Häuser zu entwerfen und zu errichten, die den ästhetischen Anlagen des Menschen entgegenkommen? Oder ist es die politische und geistige Situation der Zeit, die ihre Kreativität erstickt? Schreibt das herrschende linke Menschenbild, das uns im Namen einer verabsolutierten Gleichheit auf die basalsten, einfachsten und primitivsten Bedürfnisse reduzieren will, auch der Architektur seine Gesetze vor? Wenn der einzig legitime Anspruch, der einzig bleibende Wunsch des Menschen darin besteht, ernährtunterhaltenuntergebracht und versorgt zu werden, stellt es dann nicht geradezu eine moralische Verfehlung dar, aufwendig, ideenreich und ästhetisch anspruchsvoll zu bauen? Ist es dann nicht ebenso dysfunktional wie unmoralisch unvertretbar, über ein architektonisches, bauliches Minimum hinauszugehen? 

In den hegemonialen linken Diskursen der Zeit ist der einzelne der Tendenz nach nur noch Mensch an sich, der keine nationale und lebensweltliche Besonderheit mehr besitzt und an keinen Ort der Welt mehr stabil gebunden ist. Dieses anthropologische Minimum und Abstraktum, das sich zur Gleichheit als dem heiligsten aller Grundsätze bekennt, kann von Natur aus nur in Wohneinheiten leben, die normiert, standardisiert und auf einfachste Formen reduziert sind: die an jedem beliebigen Ort der Welt reproduzierbar sind, weil sie an keine historische oder landschaftliche Überlieferung mehr anschließen. So ist es am Ende der unduldsam nivellierende, globalistische und neomarxistische Geist der Zeit, der Baukunst und Architektur in das Korsett einer sterilen Gleichförmigkeit zwingt.

Die Formen dessen, was in Deutschland derzeit an Architektur entsteht, werden immer einfacher, schmuckloser und rechteckiger. Insbesondere in den vergangenen Jahren ist eine Investorenarchitektur in Mode gekommen, die baukastenmäßig immer dieselben, einfach reduzierten Formen und geometrischen Elemente zusammensetzt. Diese Gebäude kommen ohne Ornament, ohne Raffinesse und ohne Eigensinn aus. Normiert und standardisiert, haben sie die Verbindung zur gewachsenen baulichen Überlieferung gekappt und wirken in den deutschen Landschaften in aller Regel wie Fremdkörper. 

Auch die deutschen Kaufleute und Unternehmer um das Jahr 1900 waren mit Sicherheit gute Rechner und haben scharf kalkuliert. Niemals aber hätten sie sich dazu herabgelassen, Gebäude und Komplexe zu errichten, wie man sie heute entlang der Autobahnen von Bremen nach Hamburg oder von Stuttgart nach München „bewundern“ kann. Der primitive Charakter dieser aus billigstem Wellblech zusammengesetzten Quader beleidigt nicht nur das Auge, er sagt auch viel über den geistigen Zustand der Zeit.

Auffällig ist dabei, dass der Verfall der architektonischen Ästhetik und die Primitivität der baulichen Formen seit jeher ein Kennzeichen der alten, späten Zivilisationen gewesen ist. Schon aus Babylon, Tenochtitlan und dem kaiserzeitlichen Rom kennen wir die gleichförmigen Häusermeere, die immer dürftiger und nüchterner gestalteten Zweckbauten, die den Bewohnern dieser Städte gleichwohl als der Inbegriff von Fortschrittlichkeit und „Modernität“ erschienen. In seiner kulturgeschichtlichen Untersuchung der Weltmacht Rom schreibt dazu etwa Eckart Knaul: „All diese feinen Handwerksarbeiten und die vielen geschmackvollen Verschönerungen an den Häusern innen und außen wurden mit dem Rückgang der Kultur immer spärlicher und verschwanden schließlich ganz. Die so bunten, abwechslungsreichen Häuserfassaden mit ihren Erkern, Schnörkeln und Verzierungen wurden einförmig, der Hausbau zweckmäßig, die Häuserfronten glatt, nüchtern, uniform. Der Ideenreichtum der Baumeister und Handwerker war versiegt.“