Ich frage mich: Sind die heutigen Architekten und Baumeister handwerklich nicht mehr imstande, ästhetisch anspruchsvoll zu bauen? Ist ihr Ideenreichtum versiegt? Haben sie es schlicht verlernt, Häuser zu entwerfen und zu errichten, die den ästhetischen Anlagen des Menschen entgegenkommen? Oder ist es die politische und geistige Situation der Zeit, die ihre Kreativität erstickt? Schreibt das herrschende linke Menschenbild, das uns im Namen einer verabsolutierten Gleichheit auf die basalsten, einfachsten und primitivsten Bedürfnisse reduzieren will, auch der Architektur seine Gesetze vor? Wenn der einzig legitime Anspruch, der einzig bleibende Wunsch des Menschen darin besteht, ernährtunterhaltenuntergebracht und versorgt zu werden, stellt es dann nicht geradezu eine moralische Verfehlung dar, aufwendig, ideenreich und ästhetisch anspruchsvoll zu bauen? Ist es dann nicht ebenso dysfunktional wie unmoralisch unvertretbar, über ein architektonisches, bauliches Minimum hinauszugehen? 

In den hegemonialen linken Diskursen der Zeit ist der einzelne der Tendenz nach nur noch Mensch an sich, der keine nationale und lebensweltliche Besonderheit mehr besitzt und an keinen Ort der Welt mehr stabil gebunden ist. Dieses anthropologische Minimum und Abstraktum, das sich zur Gleichheit als dem heiligsten aller Grundsätze bekennt, kann von Natur aus nur in Wohneinheiten leben, die normiert, standardisiert und auf einfachste Formen reduziert sind: die an jedem beliebigen Ort der Welt reproduzierbar sind, weil sie an keine historische oder landschaftliche Überlieferung mehr anschließen. So ist es am Ende der unduldsam nivellierende, globalistische und neomarxistische Geist der Zeit, der Baukunst und Architektur in das Korsett einer sterilen Gleichförmigkeit zwingt.