In mehreren europäischen Ländern kommt es dieser Tage zu Anschlägen auf die Mobilfunkinfrastruktur. Bei den Tätern soll es sich um Personen handeln, die den neuen Funkstandard 5G für die Corona-Pandemie verantwortlich machen oder mit dem Ausbruch des Virus jedenfalls in Verbindung bringen: getrieben von der Sorge, dass die engmaschige, wärmeintensive 5G-Strahlung das menschliche Immunsystem schwächt; und alarmiert durch die Tatsache, das die verheerendsten Ausbrüche von Corona anscheinend in 5G-Testgebieten wie der chinesischen Provinz Hubei oder der Region um Bergamo in Norditalien beobachtet worden sind. 

Wie sich all dies faktisch zuträgt, sei dahingestellt, zumal dem Verfasser dieser Zeilen jede diesbezügliche Expertise fehlt. Stattdessen will ich auf etwas anderes hinaus: denn was wir geradezu instinktiv spüren, ist die völlige Aussichtslosigkeit sämtlicher Versuche, 5G noch zu stoppen oder zu verhindern. Selbst wenn sich zweifelsfrei herausstellen sollte, dass der neue Mobilfunkstandard das Erbgut schädigt, die Tumorbildung erhöht oder die Widerstandskräfte gegen Krankheiten schwächt – an der Einführung von 5G würde sich nichts ändern. Längst hat die Technik ihr Eigenleben entwickelt, längst hat der Mensch die Verfügungsgewalt über sie verloren. Längst ist die Technik Schicksal und Verhängnis geworden, dem sich die Völker preisgegeben und ausgeliefert haben; längst kann die Eigendynamik der Technik auf den Menschen als Naturwesen keine Rücksicht mehr nehmen.

Dazu passt auch der tiefgründigste Gedanke, auf den Ernst Jünger in Interviews, vor allem aber in seinen Alterstagebüchern Siebzig Verweht immer wieder zu sprechen kommt. Für Jünger stehen wir am Beginn eines neuen erdgeschichtlichen Zeitalters, das er das Zeitalter der Titanen nennt. Vordergründig betrachtet ist es der Mensch, der sich der Technik bedient und durch ihren bedenkenlosen Einsatz nicht nur die Natur, sondern schließlich auch sich selbst zerstört. In Wahrheit aber ist es nach Jünger die Erde selbst, die sich in einem Gebärprozess befindet, sich gegen die Spezies Mensch empört und dahin drängt, in ein neues tellurisches Zeitalter einzutreten. Dabei bedient sie sich des Menschen, der, als ihr Agent, die kosmischen Strahlungen und Energien mobilisiert, mit denen das neue Erdzeitalter eingeleitet wird. In Wirklichkeit ist der Mensch durchaus nicht die souverän handelnde Potenz, die er zu sein glaubt. Statt die Fäden selbst in der Hand zu halten, ist er längst einer Schicksalhaftigkeit unterstellt. Er ist de facto nur ein in die Zwecke der Erde und des Kosmos eingespanntes Werkzeug, dem die Aufgabe beigemessen ist, die Kräfte und Energien zu entfesseln, die das neue Zeitalter der Titanen entbinden. Die ihm zugedachte Funktion besteht darin, jene technologischen Apparate zu konstruieren und jene kosmischen Strahlungen in Bewegung zu setzen, mit denen er sich schließlich selber aus dem Spiel nimmt und dafür sorgt, dass das alte Zeitalter des Menschen endet und das neue Zeitalter der Titanen beginnt.