Der Antifaschismus war einst das zentrale Element des nationalen Selbstverständnisses und der politischen Selbstlegitimation der DDR. Dabei war der antifaschistische Schutzwall nicht gegen Hitler, Franco oder Mussolini gerichtet, sondern gegen die alte Bundesrepublik, sprich den freiheitlichen, demokratisch verfassten westdeutschen Staat. Die Faschisten, vor denen der SED-Staat sich und seine Bürger vorgeblich schützte, waren Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Helmut Schmidt, Willy Brandt und Helmut Kohl. Was durchaus eine gewisse Konsequenz besitzt: denn wer heute Ansichten verträte wie einst Adenauer, Erhard oder Schmidt, sähe sich in der neuen, linksgewendeten BRD nicht nur mit Faschismus- und Nazivorwürfen konfrontiert, sondern hätte mit ziemlicher Sicherheit ein Strafverfahren wegen Volksverhetzung am Hals und stünde mit mehr als bloß einem Bein im Gefängnis. 

Was wir aus der DDR und ihrer Geschichte lernen können, ist also Folgendes: Antifaschismus richtet sich damals wie heute nicht gegen wirkliche Rechtsextremisten, Nazis oder Faschisten, sondern immer gegen eine pluralistische, freiheitliche Gesellschaft, die mehr als nur eine Meinung toleriert und in der diejenigen, die anders denken, nicht als Menschenfeinde gebrandmarkt werden. Damals zu DDR-Zeiten diente der Antifaschismus der Rechtfertigung und Erhaltung einer Diktatur. Heute bereitet er, vor unser aller Augen, der Errichtung einer neuen Diktatur den Weg. Diese kommende Diktatur wird keine kommode, spießig-kleinbürgerliche Angelegenheit sein wie einst die DDR. Die kommende Diktatur macht Ernst. Die große Mehrzahl der Menschen in Deutschland hat noch keine leise Ahnung, was auf sie zukommt.